Letzte Woche sind wir einmal etwas weiter hinein gefahren in die Tiroler Berge. Das Kühtai kennen vielleicht manche als Skigebiet. Tatsächlich verhält es sich hier ähnlich wie mit Obertauern. Der kleine Ort liegt auf 2000 Metern Höhe an einer Paßstraße, die das Ötztal mit Sellrain bei Axams verbindet.
Hier habe ich einen Kartenausschnitt dieser Gegend.
https://www.google.de/maps/place/618…2124!4d11.01724
Von Kühtai aus gibt es einen relativ bekannten Rundweg bis auf etwa 2350 Meter Höhe der an drei kleinen Seen vorbeiführt. Deshalb spricht von vom Drei Seen Rundweg. Los ging es also in Kühtai, einem Skidorf, welches im Sommer in den Tiefschlaf gefallen ist.
Fast alle Hotels und Gaststätten gehören übrigens einer Familie. Dieses Monopol wirkt sich natürlich auch auf die Preise in der einzigen Hütte aus, die am Weg liegt. Auch die gehört den Gs.
Die Kräne im Hintergrund zeigen uns, daß weiter gebaut wird.
Das Flachdachgebäude im Zentrum des Bildes ist ein Hotel. Auf der Dachterrasse, eigentlich ist der Ausdruck falsch, befindet sich ein Pool in welchem man um das zentrale Geschoß im Freien herumschwimmen kann. Das ist wohl im Winter für die betuchten Gäste ein besonderer Gag. Energie kostet wohl nichts und so ist man der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus.
Auch in Austria fehlt Personal in Gastronomie und Hotellerie. So wird auch für das Kühtai in Osteuropa Personal angeworben. Dazu hat man diese moderne Unterkunft am Ortsrand gebaut.
Das Gebäude im Hintergrund beherbert Pistenraupen und andere Fahrzeuge für den Skibetrieb.
Nach einer dreiviertel Stunde Gehzeit sind wir am ersten Mini-See angelangt.
Nicht nur Jungvieh sondern auch Pferde fühlen sich hier in völliger Freiheit wohl.
Nach gut zwei Stunden Anfahrt über den Fernpaß, Imst, Ötz und dann hinauf ins Kühtai war nun unsere Brotzeit angesagt.
Ich weis nicht genau was diesen Gaul so zu uns her zog. Angelika war jedenfalls von der penetranten Nähe "not amused".
Der Pfad führt weiter nach oben zum nächsten Mini-See.
Sonne und Wolken wechselten sich ständig ab, so daß es manchmal nicht ideal zum fotografieren war.
Die Landschaft ist hier natürlich ganz anders als weiter unten. Steine mit Flechten überzogen und ab und zu magere naße Wiesen.
Die meisten Wanderer die uns begegneten sprachen übrigens holländisch.
Nach zweieinhalb Stunden Gehzeit liegt die Drei Seen Hütte vor uns. Ausgerechnet jetzt haben wir dicke Wolken über unseren Köpfen. Dazu windet es und so verziehen wir uns in die Hütte. Die Liegestühle bleiben unbesetzt.
Hilde, die Hüttenwirtin und Angestellte im Familienbetrieb der Gs hat den Laden im Griff. Freundlich gschnappig würden wir ihre Art nennen.
Obwohl die Sonne ab und zu hinter den Wolken hervor kommt bleiben wir in der warmen Stube.
Nachdem wir 23 Euro für zwei Latte macchiato und zwei Apfelstrudel aus der Kühltruhe bezahlt haben, das Familienmonopol wirkt sich auch hier oben aus , geht es weiter zum dritten See.
Der Feng und der Shui waren auch schon da.
Dieser dritte See ist auch nur ein größerer Tümpel.
Von hier aus könnten wir zwar wieder direkt nach Kühtai absteigen. Aber wenn ich schon mal da bin möchte ich auch einen "richtigen See" sehen. Und den gibt es hier auch.
Es handelt sich um den Speicher Finstertal, den obersten von zwei verbundenen Stauseen mit einem ernormen Fassungsvolumen und einem knapp 150 Meter hohen Damm.
Und doch ist der See nicht ganz gefüllt, dient er doch als Teil eines Pumpspeicherwerks. Von hier aus führt ein Druckrohr sage und schreibe 1200 Meter in die Tiefe zum Kraftwerk am Inn.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerksgruppe_Sellrain-Silz
Das ist ein richtiger See!
Um ihn herumgehen kann man zumindest nicht auf markierten Wegen.
Von hier aus gehen wir über teilweise überschwemmte Pfade hinunter nach Kühtai.
Hinter diesem See führt die Paßstraße hinunter ins Ötztal.
In der Ferne sieht man den Speicher Längental. Dazwischen ist ein dritter Speichersee im Bau. Im Vordergrund ist das Kieslager für das hier aufgebaute Betonwerk.
Die Hänge hier sind alle ziemlich naß. Teilweise sind die Wege nichts anderes als Bäche. Mit unseren wasserdichten Bergschuhen klappt das Gehen hier jedoch recht gut.
An jedem der Bäche findet sich so ein kurzes Rohr und eine Markierung. Anhand der Durchflußmenge kann berechnet werden wieviel Wasser in die Stauseen läuft. Die Ablesung erfolgt anscheinend durch Begehung.
Wir nutzen diese Einrichtungen um trockenen Fußes über diese Bäche zu gelangen.
Selbst einen Fußballplatz mit Kunstrasen gibt es hier oben.
Nach viereinhalb Stunden waren wir wieder am Auto. Nun ging es jedoch nicht über das Ötztal, sondern über Sellrain, Zirl, Scharnitz, Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen und den Ettaler Sattel nach Hause.
Für uns war es eine nicht allzu anstrengende Tour mal etwas höher als gewohnt und ausnahmsweise auch mal in weiterer Entfernung von zuhause.
jürgen