Beim Stöbern im Forum bin ich auf die Berichte über die Insel Ischia von Claus-Jürgen gestossen - Kompliment für die tollen Fotos und Hintergrund-Berichte . Da wurden bei mir gleich Erinnerungen wach ....
Wir waren im Mai 1993 ebenfalls auf Ischia, also vor 28 Jahren, und trotzdem kann ich mich an viele Einzelheiten erinnern. Schon die Anreise hatte es in sich: Unser Flieger landete mit ziemlicher Verspätung freitagabends in Neapel und wir mussten quer durch die Stadt, um die letzte Fähre nach Ischia zu bekommen. Die halsbrecherische Taxifahrt habe ich bis heute nicht vergessen - rote Ampeln wurden ignoriert, durch Einbahnstrassen ging es in verkehrter Richtung, links und rechts flitzten die Mofas . Wir schafften es gerade noch rechtzeitig. Die Reiseleitung übernahm unser Gepäck, das gleich zu unserem Hotel transportiert wurde. Die meisten Passagiere setzten sich nach drinnen, wir aber brauchten nach der Aufregung erstmal frische Luft und blieben an Deck. Inzwischen war es dunkel geworden und die Lichter von Neapel verschwanden am Horizont. Nach geraumer Zeit tauchte die Insel auf - eine halbrunde Hafeneinfahrt mit bunten Häusern, genau so stand es im Reiseführer. Die Fähre legte an, einige Passagiere stiegen aus und wir schlossen uns an. Kaum auf festem Boden schloss sich die Klappe und die Fähre legte wieder ab. Ungläubiges Staunen
wir waren auf der falschen Insel, nämlich Procida, ausgestiegen. Was nun? Keine Chance, noch diese Nacht nach Ischia zu kommen. Wir baten einen Taxifahrer, in unserem Hotel Bescheid zu sagen. Dann brachte er uns zu einem Hotel, ich vermute Verwandtschaft. Es ging eine halbe Stunde quer über die Insel, inzwischen stockdunkel und keinerlei Orientierung. Das Hotel entpuppte sich als uralter Kasten, der Portier hatte offensichtlich schon geschlafen. Wir waren die einzigen Gäste, zu essen gab es natürlich nichts. Er konnte noch eine Flasche Rotwein und einige Kekse organisieren, dann ging es aufs Zimmer - 30qm, 3 Meter hoch, eine einzelne Glühbirne baumelte von der Decke, keine Vorhänge - dafür eine Wäscheleine, uralte Betten samt Tisch und 2 Stühlen, die Dusche war dementsprechend. In diesem Zimmer hatte schon monatelang niemand mehr gewohnt, alles war klamm. Wir nahmen es mit Humor, tranken genüsslich unseren Rotwein und lachten uns krumm, als wir im Reiseführer nebenher lasen, dass die Zeit, an der Urlauber fälschlicherweise auf Procida ausstiegen, ja wohl vorbei sei...
Ich hatte ja nur meine Handtasche dabei mit den Reiseunterlagen, Geld, eine Haarbürste, die Kamera und den Reiseführer. Nach einer schlaflosen Nacht holte uns der Taxifahrer pünktlich ab, um mit der ersten Fähre nach Ischia zu schippern. Die Koffer warteten schon im Hotel und der Empfangschef konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen
Wir merkten bald, dass wir zu den Jüngsten im Hotel gehörten. Die Urlauber sind meist ab 60 aufwärts. Das tat der Stimmung keinen Abbruch, wir hatten bald netten Anschluss. Mit Alfredo, dem angestellten Fahrer des Hotels, machten wir einige Ausflüge auf dem 3-rädrigen Töff-Töff. An einem Abend wollte er uns ein besonderes Restaurant in den Bergen zeigen. Zusammen mit unseren Bekannten ging es steil bergan, das Dreirad schaffte es kaum, da es über Stock und Stein ging. Das Restaurant hätten wir nie allein gefunden. Eine Speisekarte gab es nicht, Alfredo bestellte für uns in der Küche die Spezialität. Nach geraumer Zeit kam ein großer Tontopf auf den Tisch und unser Bekannter wollte ausschöpfen. Ein spitzer Schrei - und unser Bekannter war nicht mehr gesehen. Auf der Schöpfkelle lag ein Kaninchenkopf das war wohl zuviel für ihn. Wir liessen uns das hervorragende Essen schmecken und unser Bekannter bekam dafür den doppelten Nachtisch.
Zum Abschied von unserem Urlaub schenkte uns Alfredo diese selbstgemachte Bleistiftzeichnung, die natürlich im Fotoalbum einen Ehrenplatz bekam.
Leider habe ich von diesem Urlaub nur Papierbilder. Aber wie ich bei Claus-Jürgen sah, hat sich nicht viel verändert - es ist und bleibt eine schöne Insel!
Übrigens: Auch 1993 war der Eintritt in die Poseidon-Gärten happig. Wir haben ihn trotzdem einen Tag besucht und nicht bereut: eingebettet in üppig blühende Blumenbeete liegen verschiedene Schwimmbäder mit unterschiedlichen Wassertemperaturen, es gibt Grotten, Wasserläufe, Kneippbecken, Wasserfall, schöne Sitzecken, Liegestühle und Sonnenschirme es ist eine große Park-Anlage und alles ist topgepflegt und pieksauber - das hat natürlich seinen Preis.
Vielleicht hat einer von euch auch schon lustige oder skurrile Erlebnisse auf Reisen gemacht und möchte davon erzählen ich würde mich freuen.
Grüße
Citronella