Schon seit langem hatte ich den Wunsch einmal mit dem Kajak ein Stück auf der Zrmanja flußabwärts zu fahren. Die Zrmanja ist ein meist tief ins Gelände eingeschnittener Fluß in Norddalmatien, der ins Novigradsko more bei Maslenica mündet.
Viele kennen diesen berühmten Streckenabschnitt aus den Winnetou Filmen.
Diese Stelle befindet sich etwa zehn Kilometer flußabwärts von Obrovac. Eigentlich ist die Zrmanja an dieser Stelle gar kein Fluß mehr sondern ein Meeresarm. Das Wasser ist brackig und je nach Jahreszeit und Wasserschüttung gibt es mehr oder gar keine Strömung.
Insgesamt drei gewerbliche Anbieter findet man in Kastel Zegarski ein paar Dutzend Kilometer flußaufwärts die den ganzen Sommer über Kanutouren anbieten.

Alle Veranstalter fahren zur selben Zeit von fast der selben Stelle ab und kommen meist gleichzeitig nach etwa vier Stunden am Berberov buk an. Es geht los um 10 Uhr am Vormittag. Angemeldet habe ich mich telefonisch. Die weitere Kommunikation erfolgte per whattsapp.
Alle haben im Sommer 2022 den selben Preis von 300 Kuna oder 40 Euro pro Person. Darin enthalten ist die geführte Bootsfahrt flußabwärts auf einer Streckenlänge von 12 Kilometern, am Ziel Getränke und etwas zu knabbern und der Rücktransport mit dem Pkw zum Ausgangspunkt.
Das Ziel ist der Berberov buk. Dort gibt es zwei Einkehrmöglichkeiten, einen kleinen Campingplatz und ein Unterkunftsmöglichkeit in Holzhütten, eine schmale antike Eisenbrücke und von beiden Ufern aus eine befestigte Zufahrt.
Eigentlich benötigt man nur Badebekleidung und ein paar feste Schuhe weil man mindestens zwei mal während der Fahrt aussteigen muß um Wasserfälle zu umgehen.
Die Ausrüstung besteht aus Schwimmwesten, Helmen, Paddeln und einer wasserdichten Plastikbox die auf jedem Boot mitgeführt wird.
Am Startpunkt ist die Zrmanja ein gemütlich dahinfließendes Flüsschen mal mit mehr und mal mit weniger Wasser.
Das viele Grün im hier sanften Tal sagt mir, daß offenbar ganzjährig ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Weiter oben an den Hängen ist es meist viele Monate knochentrocken.
Diese Schildkröte habe ich nicht dort hin gesetzt. Die war einfach da.
Auch die kleine Leopardennatter fühlt sich anscheinend hier pudelwohl. Keine Angst, wie alle Nattern ist das Tier ungiftig und nicht aggressiv. Wer will kann die ohne weiteres berühren wenn sie nicht schnell entwischt.
Natürlich habe ich den Guide auch gefragt ob es hier Hornvipern, in Kroatien Boskok genannt gibt. Die sind von anderen Schlangen leicht zu unterscheiden und die einzigen Giftschlangen in der Region. Nein, die gäbe es hier nicht weil die die trockenen Berge und Hänge weiter oben bevorzugen. Dann wird es wohl so sein, hoffe ich...
Die kleinen blauen Libellen begleiten mich von nun an die nächsten Stunden auf dem Fluß.
Die Kajaks der drei Anbieter haben drei unterschiedliche Farben und sind augenscheinlich alle der selben Bauart. Die Luftkammern sind aus einer robusten Gummiart. Damit kann man durchaus auch über Felsen fahren ohne daß sie beschädigt werden.
Das Boot wird mit einer oder zwei Personen besetzt. Meist sind es Paare, die ein Boot nehmen. Zwei Fremde Personen werden nur in ein Boot gesetzt wenn die das auch wollen. Ich war alleine und folglich Einzelkämpfer im Boot.
In die Plastiktonne kam mein Handy und eine Flasche Wasser. Meine Turnschuhe dürfen naß werden und stecken folgedessen nicht in der Tonne.
Vorausschauend habe ich mir vor meiner Reise eine wasserdichte Hülle für das Handy gekauft um jederzeit während dieser geplanten Tour knipsen zu können. Das nützt alles nichts, wenn man das Ding zuhause vergißt. Folglich stammen die Bilder alle von Zwischenstopps bzw vor und am Ende der Tour.
Die Einweisung durch einen der beiden Guides erfolgt in englisch. Wichtig ist, daß man langsam immer rückwärts mit dem Hintern voran ins Boot steigt und erst danach die Beine mitnimmt. Schon jetzt kann ich sagen, daß die Tour für jeden, der ein klein wenig Mut aufbringt machbar ist, egal ob Kleinkind unter der Aufsicht der Eltern oder alter Mensch wenn die Gesundheit es zuläßt. Einer der Guides führt die Gruppe auf dem Fluß an und der andere ist der Schließende, nicht anders als bei einer Fahrzeugkolonne.
Wie auf diesem Bild ersichtlich gibt es Hindernisse im und über dem Fluß in Form von Ästen oder gar Bäumen denen es auszuweichen gilt. Wer nicht aufpasst, bekommt vielleicht ein paar Kratzer ab oder touchiert mit dem Helm einen Ast. Bei unserer Gruppe ist dies jedenfalls nicht passiert. Alle kamen heil am Ziel an.
Bereits kurz nach der Abfahrt fällt mir auf, daß teilweise in drei Meter Höhe auf dem Bäumen am Ufer abgerissene Äste und anderers mitgeschwemmtes Zeug liegt. Wenn ich mir vorstelle, daß man diese Dinge in der Höhe sehen kann, dann ist es kaum zu glauben, daß der Fluß gelegentlich so extrem viel mehr Wasser führt wie an diesem Tag.
Es gilt dutzende kleine Kaskaden zu überwinden. Auch das ist nicht schwer weil der Guide die Ideallinie vorgibt. Sind diese Kaskaden mal höher oder mit stärkerer Strömung steigt der Guide aus und ist beim Passieren behilflich. Keines unserer Boote ist bei der Tour gekentert.
Irgendwann muß man wandern. Dazu sollte man festes Schuhwerk haben. Mit Flipflops bekommt man ein Problem. Die Wanderung ist deshalb erforderlich um einen zehn Meter hohen Wasserfall zu umgehen. Das Paddel leistet hier gute Dienste als Gehhilfe durch den etwas abenteuerlichen Pfad.
Auch die Tonne muß zu Fuß mitgeführt werden.
Was geschieht nun mit den Booten? Nein, die werden von niemanden um den Wasserfall herumgeschleppt. Die Kajaks werden einfach in die Tiefe geworfen und vom anderen Guide unterhalb "eingefangen" und so am Ufer drapiert, daß wir Bootsfahrer alle gefahrlos weiter paddeln können nachdem die Gefahrenstelle überwunden ist.
Die folgenden Bilder brauche ich glaublich nicht zu kommentieren. Wer dabei war der hat heute noch das Rauschen des Wassers in den Ohren.
Wer genau hinsieht erkennt eine Person mit einem Paddel links von der Bildmitte. Das ist der Guide, der unten die Boote einfängt die sein Kollege oben hinunter geworfen hat.
Es gibt auch ruhigere Streckenabschnitte so wie diesen wo sich das Wasser zu kleinen Seen staut. An einer dieser Stellen legen wir eine Rast ein und haben Gelegenheit zum Schwimmen. Ich wage ein paar Schwimmzüge im glasklaren Fluß, auch wenn der um einige Grad kälter ist als das Meer.
Erstaunt hat mich, daß wir Bootsfahrer nicht von Mücken geplagt wurden.
Noch ein paar Worte zu den Booten. Deren Boden besteht aus aufgeblasenen Luftkammern. Folglich hat man eine gewisse Dämpferfunktion sollte man einmal aufsitzen. Da ständig während des Paddelns Wasser ins Boot von den Rudern tropft befindet sich im Boot auch andauernd Wasser. Man sitzt zwar nicht drin, weil dieses durch Schlitze zwischen den Luftkammern auch abfließen kann. Allerdings sollte man sich darüber im klaren sein, daß man mehr oder weniger vier Stunden lang naß ist.
Irgendwann kommt dann ein weiterer Wasserfall von drei Metern Höhe den es mit dem Boot alleine zu überwinden gilt. Sind zwei im Boot müssen die sich absprechen wer darf oder muß. Ist das Boot nur mit einer Person besetzt stellt sich die Frage erst gar nicht. Oberhalb des Wasserfalls machen die meisten erst mal ein dummes Gesicht als der Guide uns dies erklärt.
Mir bleibt eh keine Wahl und so wage ich den Sprung nach unten als Erster. Nachdem ich die Anweisungen genau befolgt habe, war das mehr Vergnügen als Furcht. Arme mit dem Paddel hoch, auf der vorgegebenen Ideallinie bleiben und erst nach dem Eintauchen der Bootsspitze ins Wasser mit dem Paddel den Zielpunkt anvisieren. Nema problema sagt der Kroate.
Der Fluß wird zunehmend ruhiger und wir kommen ohne uns treiben zu lassen paddelnd nach knapp vier Stunden oberhalb des Wasserfalls Berberov buk an. Hier hat jeder der drei Anbieter ein Gelände so hergerichtet, daß man dort Fahrzeuge parken, sich umziehen und einen Imbiß und Getränke einnehmen kann.
Mit diesem Kombi werden wir später zum Startpunkt zurück gebracht.
Da nicht alle in diesem Fahrzeug Platz haben, holen die meisten ihre Pkw und kommen erneut zum Partner hierher. Ich bin noch ein paar Stunden bei Freibier, allerdings Heineken, und das in Kroatien mit überwiegend jungen Leuten aus halb Europa zusammengesessen.
Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es Umkleidekabinen und ein Dixi Klo.
Wie unschwer zu erkennen wird der Strom selbst erzeugt. Den benötigt man eh nur für die Kühlung der Getränke und für die Beleuchtung wenn es mal etwas länger dauert.
Vor der Corona Pandemie hat jeder der drei Anbieter täglich drei geführte Touren auf der Zrmanja veranstaltet. Im Frühsommer 2022 war es nur noch eine am Tag. Früher wurde auch noch im Anschluß gegrillt. Dafür waren die Preise der Tour etwas höher. Aktuell ist dies nicht der Fall.
Ich glaube, daß diese Art von Tourismus hier in der Provinz durchaus Zukunft hat. Die Natur am und im Fluß ist einfach toll und so wird es wohl auf absehbare Zeit auch bleiben. Es gibt wohl immer mehr Touristen, die wollen in Kroatien nicht nur am Strand und am Pool bräunen sondern suchen solche Möglichkeiten, das Land kennenzulernen.
Was diese Kanutripps auf der Zrmanja angeht möchte ich euch noch einen Tipp geben. Bucht die nicht in irgendeinem Touristikbüro an der Küste, sondern sucht einen der drei Anbieter z. B. bei google maps aus. Dort findet ihr die alle direkt beieinander in Kastel Zegarski. Dies deshalb, weil die Tour im Touristenbüro doppelt so viel kostet. Hinfahren an die Zrmanja müsst ihr eh selbst oder man läßt sich mit dem Taxi hinfahren was aufgrund der Distanz und der Rückfahrt erheblich teurer als die eigentliche Kanutour ist.
Für mich war es nicht die erste Kanutour in der Gegend. Weiter nördlich in der Gespanschaft Lika-Senj bin ich vor Jahren auch mit einem Kanu allerdings nicht im Rahmen einer geführten Tour auf der Gacka gefahren. Gacka und Zrmanja sind allerdings zwei völlig unterschiedliche Flüsse. Wem die Zrmanja zu wild ist kann es ja mal auf der Gacka versuchen...
Kajak fahren auf der Gacka
Acht dieser Flußkilometer sind mit dem Kajak zu befahren. Das ist nicht schwer und auch nicht gefährlich.…

jürgen