08 – Rund um die Marfa Ridge – 25.06.2023
Heute war mein Hauptwandertag. Im Norden Maltas – wo auch die Fähren nach Gozo und Comino abfahren – befindet sich die Marfa-Halbinsel oder auch Marfa Ridge genannt. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, eine Küstenwanderung um sie herum zu machen, na ja, jedenfalls fast, denn den äußersten Westen habe ich ausgespart, sonst wären es 16 Kilometer gewesen, so hatte ich 12. Start und Ende meiner Wanderung war die Bucht Ramla tal-Bir in Marfa, ein Stadtteil von Mellieha. Ich parkte mein Auto am Labranda Riviera Hotel & Spa, genau neben dem Kiosk King Of Kings, schulterte meinen Rucksack und lief an der Küste entlang nach Osten.
Start der Wanderung - Blick auf die Wied Musa Batterie
Der Weg an der Küste entlang ist recht interessant. Zunächst kommt man am Hola Beach Club vorbei. Hier war zu dieser frühen Stunde noch nichts los. Die Küste und die Buchten sind immer wieder sehenswert. Am Ramla Bay Resort Hotel ging es vorbei, und ich kam in die Bucht Ramla tal-Qortin. Hier machte ich ein Päuschen im Schatten. Es waren zwar heute nur 27°, doch die versprochenen Wolken waren frecherweise trotz Ankündigung einfach ferngeblieben. Die Einheimischen duldeten mich auf den Treppen eines Hauseingangs und waren in Gesprächen mit den Nachbarn vertieft. Mein Wanderweg führte zwischen Campingplatz-ähnlichen Wohnbarracken hindurch. Vielleicht sind dies nur so eine Art „Ferienhäuser“ der Einheimischen, die hier an der Bucht baden möchten.
Vorbei am Hola Beach Club
Steg ins blaue Nass
Vorbei an Tretbooten
Die Ferienhäuser
Blick über das schroffe Ufer nach Comino und Gozo
Maltesische Katzen
Ich kam in die Armier Bay. Hier beeindruckte mich der Mambo’s Beach Club samt dem sich daneben befindlichen Hotel am Palm Beach. Wenn man hier aus dem Essensraum rauskommt, steht man direkt am Wasser. Sieht herrlich aus. Der Beachclub ist schöner als die meisten Anderen, die ich bisher zu Gesicht bekam. Hier lässt es sich aushalten. Am Tortuga Beach ging es durch weitere dieser Wohnanlagen in die nächste Bucht, bevor ich einen kleinen Hügel zum White Tower erklomm. Eine Gruppe von Kindern kam mir entgegen, die vielleicht tauchen waren, wie es aussah. Danach kam wirklich ein Campingplatz. Dahinter bog ich rechts ab und lief auf der gerade verlaufenden Teerstraße in südöstlicher Richtung bis zum unteren Ende der Halbinsel. Hier war ich froh, ab und zu mal etwas Schatten unter Bäumen zu bekommen, damit ich mich in Ruhe hinsetzten und einen kräftigen Schluck Mineralwasser nehmen konnte.
Am Hotel neben dem Mambo's Beach Club
Hier lässt es sich sicher aushalten
Tortuga Beach
Der White Tower kommt in Sicht
In der Armier Bay
Blick zurück in die Bucht
White Tower
Blick in die Coral Lagoon
Auf dem Weg nach Südosten
Für die Kapelle der unbefleckten Empfängnis am Kap Dahlet ix-Xilep bog ich ein kurzes Stück wieder nach Nordosten ab. Hier endet die Halbinsel en einer Steilküste. Eine Steintafel gedenkt eines Jungen, der hier vor ca. 20 Jahren zu Tode stürzte. Die südliche Küste der Marfa Ridge sollte sich als noch spektakulärer erweisen. Nun ging es langsam aber sicher in die Mellieha Bay hinein. Schon von weitem sah ich immer wieder den Red Tower, der mein heimliches Ziel war. Eigentlich heißt er St. Agatha’s Tower und ist eine während der Zeit der Herrschaft des Johanniterordens von 1647 bis 1649 erbaute Festung, die der Abwehr der Korsaren dienen sollte, die immer wieder die nördlichen Buchten überfielen und Einheimische in die Sklaverei verschleppten.
Kapelle der unbefleckten Empfängnis
An dieser Steilküste...
...kam der arme Junge zu Tode
Der Weg entlang der Mellieha Bay erwies sich als ganz wunderbar. Der Blick über die schroffen Felsen in die Bucht war genial. Das sich auf der anderen Seite befindliche Mellieha sah von hier fantastisch aus. Ich wanderte so nah wie möglich an der Küste. Der Pfad verlief neben teilweise spektakulären Felsformationen. Kleine Schluchten zwischen dem spitzen Fels wechselten sich ab mit wunderschönen Buchten, in denen einige Boote lagen. In Worte lässt sich das nur schwer fassen. Und immer wieder ganz hinten der Red Tower, der einfach nicht näher kommen wollte. Einige Besucher der Halbinsel campten wild zwischen den Bäumen unweit der Küste. In einem kleinen Waldstück befand sich ein altes Gebäude. Es sah aus, als wurde es nie fertig gestellt. Rote Lettern warnten vor gefährlichen Bienen. Hier setzte ich mich auf einen Stein und nahm im Schatten einen Schluck aus der Pulle. Ich lief über eine lange Steinmauer und beobachtete weitere Camper, die darunter ihre Zelte aufschlugen.
Blick nach Mellieha
Traumhafter Wanderpfad
Eine Straße ins Nichts
An der wunderbaren Küste
Hier wollte man wohl ungebetene Besucher vertreiben
Camper mit Jeeps...
...bauen ihre Zelte auf
Kleine Traumbucht
Da hinten ist der Red Tower
Zum Ende der Mellieha Bay befindet sich der wunderschöne Strand Ghadira, der heillos mit Menschen und Sonnenschirmen überfüllt war. Später wollte ich hier auch baden. Mein Pfad führte zunächst von der Bucht weg. Der Rote Turm kam näher. Endlich. Es ging den Hügel hinauf. Schließlich kam ich auf die Straße und überquerte an einem Kreisverkehr die Inselhauptstraße Route 1, die vom Fähranleger im Nordosten bis ganz hinunter in den Südosten führt. Von hier aus geht es auf einer geteerten Straße steil den Hügel hinauf, bis man endlich – ja endlich – vor dem Red Tower steht.
Durch die Kakteen
Blick zum Ghadira Beach
Da isser endlich
Red Tower
Über eine steile Treppe gelangte ich ins Innere, wo ein Bediensteter 2 € Eintritt verlangte. Das konnte man ja ruhig zahlen. Im Innern befinden sich alte Flaggen, eine Karte aller im 17. Jahrhundert erbauten Wachtürme und Informationsmaterial auch in deutscher Sprache. Ich erklomm das Dach des Turms. Zu jeder Seite hin war eine Kanone ausgerichtet. Die Kugeln lagen daneben. Der Blick rundherum war toll. Ein Vater mit seinem sich ca. im Grundschulalter befindlichen Jungen hatte das Dach ebenfalls erklommen. Der Junge war ziemlich begeistert. Besonders der Blick auf den Strand Ghadira war umwerfend. Hinter dem Strand sah man das aus Brackwasserseen und Salzwiesen bestehende Ghadira Nature Reserve, ein Naturschutz- und Feuchtgebiet, was leider vorübergehend geschlossen hat. Neben Flamingos wurden bereits 140 Zugvogelarten auf dem 7 Hektar großen Gebiet gesichtet. Da aufgrund des trockenen Klimas dauerhafte Binnengewässer selten sind, wurde das Reservat zum einem wichtigen Lebensraum.
Im Innern des Turms
Blick nach Norden
Ghadira Beach
Ich verließ den Turm und wanderte das letzte Stückchen die geteerte Straße zu meinem Ausgangspunkt zurück. Die Wanderung hatte mich hungrig gemacht. Am Kiosk King Of Kings schaute ich mir die Speisekarte an. Er bot auch Kaninchen mit Pommes und Salat für 8,50 € an. Ich konnte nicht widerstehen. Zusammen mit einem kleinen Heineken-Bier wurde es zu meinem Mittagessen. Und ich muss sagen, es schmeckte vorzüglich.
Kaninchen am Imbiss
So, jetzt ging’s aber ab zum Strand. Doch halt. So schnell ging das gar nicht. Am Strand Ghadira war alles gnadenlos zugeparkt. Und auch bevor man zur Bucht hinab kam, waren alle Parkplätze restlos belegt. Jede sich bietende Möglichkeit wurde bereits von jemand Anderem genutzt. Ich fuhr am Strand vorbei bis an den Anfang von Mellieha. Auch daran hatten die Badegäste bereits gedacht. Alles voll. Ich fuhr wieder zurück und schaute noch einmal. Dann fuhr ich wieder zurück und noch einmal. So extrem habe ich das noch nicht erlebt. Dann kam mir eine Idee. Unterhalb des Ghadira Nature Reserve bog ein geteerter Feldweg ab. Er war sehr schmal und bot zunächst keine Möglichkeit, um am Rand stehenzubleiben. Nach einer Weile kamen noch ein paar Wohnhäuser. Die Parkplätze vor den Häusern waren abgesperrt. Der Asphalt wurde schlechter und der Weg schmaler, doch nach einigen Hundert Metern befand sich in einer Kurve eine ebene Fläche. Hier stellte ich das Auto ab. Ich musste nun zwar den Feldweg wieder zurück laufen, doch war 5 Minuten später am Strand. Perfekt.
Ankunft am Strand
Der Strand war der Wahnsinn. Natürlich war er brechend voll, doch das ließ sich nun mal nicht ändern. Nur sehr wenige Wolken zeigten sich hier und dort am Himmel. Zu wenig, um die Sonnenstrahlen zu stören. Zwischen den Liegen und Sonnenschirmen fand ich ein gemütliches Plätzchen für meine Decke, wo ich fortan dem Nichtstun frönte, gepaart mit gelegentlichen Springen ins kühle Nass. Beim Schwimmen schaute ich hin und wieder zu meiner Decke und meinem Rucksack hinüber. Schließlich wollte man kein blaues Wunder erleben. Das Baden war herrlich. Auf der einen Seite schaute man hinüber zur Marfa-Halbinsel. Auf der anderen Seite liegt das ansehnliche Mellieha. Hier ließ es sich aushalten. Da ich direkt neben einer Strandbar lag, nutzte ich die Gelegenheit und holte mir zwischendurch ein kühles Getränk. Nach insgesamt 3 Stunden brach ich auf. Der Nachmittag neigte sich dem Ende.
Blick über die Sonnenschirme
Zwischen den Liegen
Blick zur Marfa-Halbinsel
Blick vom Strand in Richtung Mellieha
Im Westen vom Strand aus gesehen, liegt an der gegenüberliegenden Küste die Anchor Bay. Hier gibt es das Dörfchen Popeye Village. Das schmucke Dörflein mit den 19 windschiefen Häusern ist 1979 als Filmkulisse gebaut worden. Hier wurde ein Popeye-Film mit Robin Williams in der Hauptrolle gedreht. Heute ist es eher ein Freizeitpark für Familien mit Kindern. Es werden Shows und Filmrequisiten gezeigt, es gibt ein Kino, und so viel ich weiß, werden auch Bootstouren unternommen. Der Eintritt soll allerdings mit 25 € pro Person nicht günstig sein. Und so war es für mich völlig ausreichend, zum Hang auf der anderen Seite der Bucht zu fahren und das Dorf vom Anchor Bay Viewpoint anzuschauen. Ja, von hier hat man sogar den besten Blick auf das Dorf.
Popeye Village
Das pittoreske Dörflein...
...bietet ein hübsches Häuschen neben dem Anderen
Nun wollte ich mir gern noch Naxxar anschauen. Die Stadt gehört mit zum Hauptballungsgebiet im nordöstlichen Zentrum der Insel. Neben der Pfarrkirche ist hier vor allem der Palazzo Parisio bekannt. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurde im Barockstil erbaut und besitzt einen aufwändigen Garten mit Steingrotte und exotischen Pflanzen, Springbrunnen und Orangerie. Kostet die Besichtigung des eigentlichen Palasts auch 15 €, so ist der Garten kostenlos zugänglich. Ich parkte zentral und startete einen kleinen Rundgang. Der Ort wirkte auf mich recht modern, hat viele Geschäfte und Restaurants. Die Kirche Maria Geburt war selbstverständlich wieder ein riesiger Klotz, der auch von innen sehr prunkvoll wirkte. Rund um die Kirche findet man dann auch einige alte Steingebäude, natürlich typisch maltesisch sandfarben. Und gegenüber der Kirche steht dann auch der Palazzo Parisio. Das Tor war geöffnet, also schritt ich hinein. Sofort kam eine junge Dame und hielt mich auf. Wir hatten Sonntag, und die Öffnungszeiten gingen bis 19:00 Uhr. Wir hatten gerade mal 18:25 Uhr. Aber die Dame holte noch eine Kollegin herbei, und sie beschlossen, nun zu schließen. Na, herzlichen Dank auch. Die Zeit hätte mir noch gereicht, um den Garten mit all seinen Besonderheiten anzuschauen. Aber was soll’s? Es sollte wohl nicht sein.
Ankunft in Naxxar
Kirche Maria Geburt in Naxxar
In den Gassen von Naxxar
Alte Steingebäude
Statue an der Kirche
Auf dem Rückweg
So gab ich mich mit den in Naxxar gewonnen Eindrücken zufrieden und trat den Rückweg zum Hotel an. Der Tag war sehr schön, und ich habe vor allem viel schöne Natur gesehen. Einen Tag habe ich nun noch, welchen ich selbstverständlich voll auskosten werde.