Es gibt auch in meiner Gegend noch Berge die kaum bekannt sind und deshalb auch wenig begangen werden. Das mag viele Gründe haben. Beim Hirschleskopf kommt dazu, daß er zwei Namen hat. Auch als Hirschhalskopf kennt man den 2052 oder 2047 Meter hohen Berg bei Gramais. Diese kleinste selbstständige Gemeinde Österreichs habe ich euch ja bereits vorgestellt.
Gramais im Außerfern
So eine Straße ist natürlich eine schöne Herausforderung für mich als Motorradfahrer. Letzte Woche habe ich Suzi nach längerer Zeit mal wieder bewegt und bin…

Seit Wochen habe ich mir vorgenommen, diesen Berg in einem Seitental des Lechtals zu begehen. Die Begleitung meiner Gattin sollte nicht sein weil die Tour anstrengend und teils technisch nicht ganz einfach zu sein scheint. Alleine sollte man die dann auch nicht wagen und so kam ich mit Hans und Suham von unserer Sektion des Deutschen Alpenvereins überein, daß wir drei es zusammen anpacken.
Beim Start um 10.15 Uhr in Gramais lag der Ort noch im Schatten der hohen Berge. Wir wollen auf den "Grasbuckel" in der Bildmitte wandern.
In eineinhalb Stunden hinauf bis zum Gipfel? Das dünkt mir doch etwas ambitioniert zumal ich Berichte gelesen habe, daß für den einfachen Weg mindestens zweieinhalb Stunden Gehzeit anzusetzen sind.
Blick auf unser Ziel
Zuerst geht es bergab ins Tal des Otterbachs. Damit kommen zu den 840 Höhenmetern bis zum Gipfel weitere 100 Höhenmeter hinzu. Wenigstens können wir eine knappe halbe Stunde auf einem Forstweg wandern.
An diesem Ort könnten wir uns entspannt auf eine der hölzernen Liegen platzieren und die Berge betrachten und das Leben genießen. Allerdings ist diese Örtlichkeit nicht unser heutiges Ziel.
Es folgt an einem Pfad durch den Wald welchen wir kurz darauf einschlagen ein Wegweiser der uns den Gipfel nach zweieinviertel Stunden anzeigt. Dabei sind wir jetzt bereits eine halbe Stunde gegangen. Irgendetwas stimmt mit der Beschilderung nicht. Egal, mir war eh klar, daß die anfangs angezeigte Gehzeit nicht realistisch ist.
Nun geht es sehr lange und recht steil durch den teils lichten Wald nach oben. Immer wieder müssen wir Verschnaufpausen einlegen. Dazu gelegentlich etwas trinken. Der Schweiß läuft uns in Strömen nicht nur von der Stirn.
Die Wegweiser sind spärlich verteilt und auch der Pfad wurde wohl vor langer Zeit mit wenigen roten Farbmarkierungen festgelegt.
Wir gewinnen ziemlich schnell an Höhe.
Kurz unterhalb der Baumgrenze kommen wir zu einer Lichtung mit einem Jägerstand.
Und immer noch blauer Himmel mit Sonnenschein und fast hochsommerlichen Temperaturen.
Die Baumgrenze geht in die Latschenregion über. Im Hintergrund ist Gramais zu erkennen.
Blick auf die Allgäuer Alpen. In der Bildmitte lugt das Lechtal hervor.
Nach etwa zweidreiviertel Stunden sind wir endlich am Gipfelkreuz angelangt. Dieses steht eigenartigerweise nicht am höchsten Punkt des Berges.
Nun folgt der Eintrag ins Gipfelbuch. Dabei stellen wir fest, daß nur alle paar Tage jemand hier vorbei kommt.
Die Stahlseile sichern das Kreuz bei starkem Wind.
Wie zu erwarten kann man Gramais weiter unten erkennen.
In der Senke vor diesen Bergen liegt der Schafkarsee. In diese Richtung gehen wir später weiter.
Während der obligatorischen Brotzeit navigiere ich mich mit dem Handy durch die Berge der Umgebung.
Alle sind höher als unser "Grasbuckel".
Nirgendwo eine Seilbahn oder eine bewirtschaftete Hütte. Natur ohne Verbauung um möglichst bequem viele Touristen hierher zu bringen.
Noch einmal schweift der Blick auf die Allgäuer Alpen.
All diese Berge sind nur für erfahrene Alpinisten oder Kletterer zu erklimmen.
Erst hier oben beschließen wir drei nun nicht auf dem selben Weg zurück zu gehen. Vielmehr wandern wir noch etwas höher und schwenken auf einen Pfad in Richtung Schafkarsee. Den werden wir jedoch nicht erreichen weil wir in der Senke des Schafkarbachs wieder ins Tal absteigen.
Damit liegen ein paar Teilstrecken vor uns die Trittsicherheit erfordern.
Schließlich erreichen wir die Abzweigung nach unten ins Dorf.
Von nun an geht es nur noch bergab.
Von dieser Seite schaut der Hirschhalskopf ganz anders aus.
Etwas weiter unten hat man den Berg so im Blick. Durchaus beeindruckend wie ich meine.
Ich entdecke in der Ferne zwei Gämsen die sich durch uns einsame Wanderer nicht stören lassen.
Immer wieder queren wir Rinnen aus Schotter. Wie gut, daß es anscheinend längere Zeit nicht geregnet hat. Somit ist das lose Gestein einigermaßen stabil.
Der Schafkarbach ist nahezu ausgetrocknet. Es ist kaum vorstellbar welche Wassermassen hier diese riesigen Mengen an Schotter abgelagert haben.
Wir bewältigen jedenfalls auch die schwierigen Stellen problemlos.
Mittlerweile brennt die Sonne nicht mehr gnadenlos auf uns im offenen Gelände herab. Die Wolken überwiegen am Himmel. Wir kommen zu einem Forstweg der direkt nach Gramais führt.
Hier ergibt sich eine Begegnung die man nur einmal im Leben hat. Nach einer Kurve steht plötzlich neben dem Weg eine Gämse und schaut mich genauso verdutzt an wie ich sie. Nur langsam entfernt sie sich und verschwindet im Wald. Leider bin ich nicht schnell genug ein Bild zu knipsen. Zudem möchte ich hastige Bewegungen vermeiden. So nah bin ich noch nie in mehr als einem halben Jahrhundert einer Gams in den Bergen gekommen.
Der Steg aus Aluminium liegt ohne Verankerung da. Im Herbst wird er entfernt und im Frühjahr möglichst an der selben Stelle wieder aufgebaut.
Nun ist es nur noch eine Stunde bis zum Auto. Dort wechseln wir die Schuhe und trinken zum Abschluß im Gasthof Alpenrose ein kaltes Bier.
Die Begehung des Hirschleskopfs war in etwa das was ich mir vorgestellt hatte. Wir waren insgesamt sechs Stunden am Berg unterwegs und haben dabei niemanden getroffen. Erstaunlicherweise gab es auf weiten Streckenabschnitten Handyempfang. Nun mag mancher meinen ob dies wirklich nötig ist? Dazu meinerseits ein klares ja, weil im Falle eines Unfalls so schnell Hilfe herbeigerufen werden kann. Das ist nicht überall in den Bergen möglich.
Während der zweistündigen Heimfahrt haben wir drei übrigens nur ganz wenig miteinander gesprochen. Wir alle waren ziemlich erschöpft. Ich dazu bin froh, einen komfortablen Automatik-Pkw steuern zu dürfen der ja fast von selbst fährt.
jürgen