Neuburg an der Kammel ist ein kleiner Ort zwischen Augsburg und Günzburg gelegen. Dort gibt es seit gut 30 Jahren ein Museum der besonderen Art. Träger der Hammerschmiede Naichen ist der Bezirk Schwaben in Bayern. Wir haben vor einiger Zeit diese Hammerschmiede besucht. Die ist nur zu bestimmten Zeiten für die Öffentlichkeit geöffnet. Dazu gibt es immer wieder mal Vorführungen der Schmiede.
Die Geschichte dieses alten Handwerksbetriebs reicht zwar bis ins 19. Jahrhundert zurück. Interessant ist jedoch die Tatsache, dass die Schmiede vor etwa 100 Jahren nach einem Brand neu aufgebaut und bis kurz vor dem Tod des Schmieds Serafin Stocker im Jahr 1980 betrieben wurde.
„1980 legte Serafin den Betrieb still und verstarb zwei Jahre später. Seine Witwe Theresia (1907–1988) hielt das Anwesen zusammen und verkaufte es mit dem Wasserrecht 1987 an den Bezirk Schwaben, um die Schmiede mitsamt Ausstattung als Museum zu erhalten. Nur wenige Monate nach ihrem Auszug verstarb sie. 1990 eröffnete die behutsam sanierte Hammerschmiede ihre Tore als Museum.“
Das ist das Gebäude. Hinter dem Haus verläuft die Kammel. Im Erdgeschoss befindet sich die Schmiede, im Obergeschoss die ehemaligen Wohnräume der Eheleute Stocker.
Kaum zu glauben, dass es mittlerweile zwölf Jahre her ist, dass wir diese Anlage besichtigt haben. Und doch hat sich weder am Gebäude noch an der Ausstattung und auch nicht am Ausstellungskonzept bis heute etwas daran geändert.
Schauen wir mal hinein in die 100 Jahre alte Werkstatt.
Das Typenschild des Herstellers
Warum hat der Schmied früher eigentlich so viele verschiedene Hammer und Zangen benötigt?
Hier werden Nägel geschmiedet.
Das Eisen wird in der Glut der Esse so stark erhitzt bis es weich wird und sich mit dem Hammer formen lässt. Nicht anders haben es unsere Vorfahren vor 2000 oder 3000 Jahren gemacht.
Ausgangsbasis für einen Nagel ist ein gewöhnliches Stück Rundeisen wie es auf der Baustelle beim Betonbau verwendet wird.
Das fertige Produkt sind handgeschmiedete Nägel. Verzinkt sind die natürlich nicht. Das wiederum bedeutet, dass die Nägel mit der Zeit rosten.
Das ist ein Elektroschweißgerät. Aufgrund des hohen Gewichts hat es Räder, so dass es dorthin gefahren werden kann, wo geschweißt werden muss. Das waren teilweise auch landwirtschaftliche Geräte, die aufgrund deren Größe und Gewicht nicht in die Werkstatt gebracht werden konnten.
Dieser Schmiedehammer wird wie auch andere Werkzeuge durch Wasserkraft angetrieben. Die Kraft des Wassers bewegt eine Welle. Diese wiederum treibt die Maschinen mittels Riemen an.
Im Fluss befindet sich eine Turbine, die mittels Wasserkraft die Welle antreibt.
Hinter dem Elektroschweißgerät steht eine Drehbank.
Leider sind die Lichtverhältnisse in der Werkstatt nicht optimal zum Fotografieren.
Der Werkstattofen
Hier werden beispielhaft einige Eisenwaren gezeigt, die früher in dieser Schmiede von Serafin Stocker, seinem Vater oder seinem Großvater gestellt wurden.
Eine nicht ganz unwichtige Einrichtung war auch in dieser Werkstatt das Außenklo, früher Abtritt genannt.
Es ist nachvollziehbar, dass der Schmied nicht dieses moderne Klo in der Wohnung aus dem Jahr 1942 benutzt hat wenn er schmutzig bei der Arbeit mal ein Bedürfnis verspürte. Mir fällt beim Betrachten des Bildes die Pumpvorrichtung für die Betätigung der Wasserspülung auf.
Der Zugang zum Fluss
So bescheiden haben die Eheleute Stocker bis in die 1980er Jahre hinein gewohnt.
Von einem Wohnzimmer sprach man damals noch nicht. Das ist die Stube, in der man sich aufhielt, wenn man mal nicht mit Arbeiten beschäftigt war.
Ich finde es toll, dass der Bezirk Schwaben hier ein regionales Kleinod erhalten hat, welches das Leben der Menschen auf dem Lande vor knapp 100 Jahren widerspiegelt. Ein normales Museum ist das eine, die Hammerschmiede Naichen, die die Geschichte von mehreren Generationen aufzeigt, das andere.
Weitere Infos findet ihr auf dieser Website:
Geschichte und Gebäude | Museum Hammerschmiede und Stockerhof Naichen
Jürgen