Därsch ist der Geburtsort meines Schwiegervaters.
Leider konnte er 2007 wegen eines Krankenhausaufenthaltes nicht in seine Heimat mitkommen.
Das haben er und wir sehr bedauert. Leider ist er Ende 2007 verstorben ohne noch mal seine Heimat besuchen zu können.
Meine Frau, Zsuzsa, war einmal mit etwa acht Jahren in diesem Ort.
Deshalb haben wir aus Brasso Papas letzte noch lebende Schwester, Erzsinéni (Tante Elisabeth), mitgenommen.
Derzs ist ein kleiner Ort etwas südlich zwischen Keresztúr (Cristuru Secuiesc) und Udvarhély (Odorheiu Secuiesc).
Wir kamen von Udvarhély über Miklósfalva (Nicolești). Da hörte die Teerstrasse auf und weiter gings über Schotterpiste.
Inzwischen soll sie geteert worden sein.
Unter anderem kam uns dieses Pferdefuhrwerk entgegen.
Dann habe ich das Dorf zum ersten Mal gesehen. Als ob es Angst hätte, duckt es sich in die Talmulde. Nur der Kirchturm ist zu erkennen.
Székelyderzs ist ein Dorf mit etwa 750 ungarischsstämmigen Einwohnern mit unitarischem Glauben.
Das Dorf ist berühmt wegen seiner Burgkirche und den kirchlichen Bräuchen.
Die Kirche gehört seit Dezember 1999 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Also besuchten wir sie.
Kinga, die freundliche Fremdenführerin, erklärte uns die Entstehung der Kirche und die Wandlungen und Geschehnisse.
Die Kirchengemeinde von Székelyderzs wird 1334 das erste Mal erwähnt.
Die Kirche wurde als katholische Kirche gegen Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut.
Im Zuge der Reformation wurde Székelyderzs dann unitarisch.
Damals hat man auch die Fresken von 1419, die man 1887 bei Reparaturen wiederentdeckt hat, überstrichen.
Im 16. Jahrhundert hat man mit dem festungsmäßigen Ausbau der Kirche begonnen.
So sieht die Kirche heute aus.
Unter dem Dach kann man kleine Erker erkennen.
Das sind Öffnungen um sich aus der Kirche heraus noch mit Pech zu verteidigen.
Das Kirchenschiff steht frei und der Kirchturm ist in die Mauern des Verteidigungsringes integriert.
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Unter den Vordächern der Burgmauern wurden Vorräte und wichtige Gerätschaften gelagert. Hier stehen Holzkisten mit Getreide mit dem Namen der Familie.
Innerhalb der Burgmauern hat man Lagerräume angelegt, wo die Ortsbewohner ihre Schinken-, Speck- und Wurstvorräte lagerten, bzw. bis heute lagern.
Das Recht auf Lagerung innerhalb der Kirchenmauern wird vom Vater auf den Sohn vererbt.
Jeden Mittwoch, morgens um neun Uhr wird durch Glockengeläute angezeigt, dass die Einheimischen Zugang zu den eingelagerten Waren haben.
Dann versorgt sich jede Familie mit dem Bedarf einer Woche und die Lagerräume werden wieder verschlossen. Dies wird auch heute noch streng so gehandhabt.
Nur für uns Besucher hat man eine Ausnahme gemacht.
Im Innenraum der Kirche darf nicht fotografiert werden um den Fresken nicht zu schaden. Einige Bilder habe ich bei Wikipedia gefunden.
Die Fresken sind nur teilweise freigelegt. Ich vermute mal wegen Geldmangel.
Die gotischen Fresken stammen aus der katholischen Zeit des Gebietes und wurden im 19. Jahrhundert entdeckt.
Das Thema der Fresken ist die Ladislaus-Legende (kumanischer Einfall in Ungarn). Herzog Ladislaus I. (Cousin König Salomons) kämpfte zusammen mit König Salomon (1063–1074) gegen die einfallenden Kumanen.
Nach dem Besuch der Kirche widmeten wir uns der Verwandschaft. Da war doch noch die Cousine vom Onkel vom Großvater...
Irgendwie habe ich immer noch nicht die Übersicht, wer jetzt wie mit wem und warum verwandt ist. Naja, vielleicht beim nächsten Besuch.
Jedenfalls gabs überall zuerst einen "jó rendes tiszta derzsi házipálinka" (guter selbstgebrannter sauberer Hausschnaps aus Derzs).
Und das bei 40° im Schatten. Als Fahrer musste ich leider nach dem Ersten passen.
Dann gabs nur noch herrlich kühles, frisches Brunnenwasser. Ich wusste gar nicht, wie gut Wasser schmecken kann.
Als wir uns beim letzten Gastgeber verabschiedet hatten und losfahren wollten boten sich uns diese Bilder.
Der "Almabtrieb".
Das waren nicht nur Kühe, sondern auch Ziegen und Pferde.
Vor vielen Hoftoren standen die Leute um ihren Tieren das Tor zu öffnen.
Ein imposantes Schauspiel.
Man erkennt, dass dieser Ort von Ackerbau und Viehzucht lebt.
Jede Familie hat einige Tiere, seien es 2 oder 3 Kühe, ein paar Schweine, Ziegen oder Schafe, auf jeden Fall Hühner oder Karnickel. Manche leisten sich auch ein Pferd.
sein ganzer Stolz
Einen Traktor habe ich nicht gesehen. Es soll aber einen geben.
Hoffentlich werden die EU-Richtlinien nicht so schnell umgesetzt.
Denn dann werden diese Bilder bald Geschichte und das dörfliche Gefüge zerstört sein.
waldi