Der Ort Biertan liegt in einem Seitental der Târnava Mare (Große Kokel),
etwa 8 km südlich des Kokeltals.
Wenn man von Medias (Mediasch) kommend Richtung Sighişoara (Schässburg) fährt zweigt
man rechts ab und fährt durch ein Seitental. Nach zirka 5 km taucht zuerst die Gewaltige Kirchenburg
in der Ferne auf. Nach 8 km erreicht man Biertan.
Wir hatten Glück und ein Angestellter der Kirche war deutscher Abstammung und freute sich über das
Interesse unserseits am Leben der Volksdeutschen.
So machte er eine ausführliche Kirchenführung nur für uns beide.
Die war so ausführlich das wir nach 3 Stunden noch immer in der Kirche waren und der Kirchenführer
einfach nicht aufhörte zu erzählen.
So sprachen wir auch über das Leben der Deutschen in Rumänien und er erzählte uns auch über seinen
Alltag und den seiner Familie in Rumänien.
Die erste urkundliche Erwähnung von Biertan (Birthälm) stammt aus dem Jahr 1283.
Ab 1468 ist auch eine Wehranlage auf dem Kirchenhügel belegt.
Die spätgotische dreischiffige Hallenkirche (UNESCO-Weltkulturerbe) wurde in den Jahren 1500 - 1516
anstelle eines Vorgängerbaues errichtet, dessen Chor man erhöhte und mit einem Wehrgeschoß versah.
Eine bereits bestehende Umwallung wurde verdoppelt, im Laufe des 16. Jahrhunderts mit acht Türmen verstärkt
und spiralförmig als dreifacher Mauergürtel um den Hügel gelegt.
Über dem Westportal sind die Wappen des Königs Waldislaus und des Woiwoden Johann Zápolya zu sehen.
Im Jahr 1572 wurde sogar der Sitz der Sachsenbischöfe unter Lucas Unglerus von Sibiu (Hermannstadt) nach Biertan verlegt;
wo er fast 300 Jahre bis 1867 verblieb. Biertan war das Zentrum des geistigen und politischen Lebens der Siebenbürger Sachsen.
Während der Türkenkriege kam es jedoch immer wieder zu Überfällen.
Da der Ort noch keine Stadtmauern besaß, war er Brandschatzungen, Plünderungen und Menschenraub schutzlos ausgeliefert.
Im Inneren bewahrte die evangelische Kirche ihre spätgotische Ausstattung.
Der Flügelaltar ist einer der größten mittelalterlichen Flügelaltäre Siebenbürgens
mit 28 vorreformatorischen Bildtafeln.
Die Sakristeitür aus dem Jahre 1515 ist eine der größten Schätze der Kirchenburg. Sie ist mit einer raffinierten
Mechanik ausgestattet, die insgesamt 19 Riegel und einen automatischen Verschluss beinhaltet.
Wie das Gestühl ist die Tür ebenfalls reich mit Holeinlegearbeiten verziert und das Schloss
auf der Innenseite (Sakristeiseite) ist mit fein gearbeiteten Nilpferdköpfen eingefasst.
Die Tür wurde auf der Weltausstellung 1900 in Paris ausgestellt und fand dort hohe Beachtung.
So war es schon Nachmittag als wir von der Kirche kamen und uns noch ein wenig den Ort Biertan ansehen wollten.
Von der Kirche hat man eine herrliche Aussicht auf das Dorf Biertan.
So gingen wir über den Hauptplatz und weiter durch die Gassen.
Als wir so durch die Dorfstraßen gingen kam uns ein Junge mit einem nicht mehr ganz neuen Fahrrad entgegen,
welches er auf der Schulter trug.
Da ich wissen wollte warum er es trug schaute ich mir das Fahrrad näher an und bemerkte dass im
Reifen keine Luft vorhanden war. Da war guter Rat teuer.
Ich deutete ihm er möge warten und ging zu meinem Auto und holte Pickzeug und Pumpe.
So ging es an die Arbeit und nach kurzer Zeit war das Fahrrad wieder fahrbereit. Na war die Freude groß.
Auch seine Mutter sah uns schon die längste Zeit zu.
Als wir weiter durch den Ort gingen und ich am fotografieren war, kamen uns 4 Jungs um die 4-5 Jahre
nach und beobachteten uns neugierig. Sie kamen immer näher und diskutierten.
Inzwischen waren auch wir auf sie aufmerksam geworden und wollten wissen was sie möchten,
da wir nicht schlau wurden. Nur eines stand fest betteln wollten sie nicht.
Auf einmal sagte meine Frau vielleicht möchten sie fotografiert werden und als ich auf die Kamera deutete
und auf die Kinder war die Freude groß und sie standen schon in Reih und Glied.
Ich machte ein paar Fotos und jetzt wollte jeder sich hinten in der Kamera sehen.
Jetzt wusste auch ich warum es ging. Die wollten sich auf der Kamera sehen.
Während wir so die Fotos betrachteten ging auf einmal ein fürchterliches Geschreie los und
ein etwa 3 jähriger Junge kam gelaufen und weinte bitterlich.
So war wieder guter Rat teuer bis meiner Gattin einfiel der möchte vielleicht auch auf das Foto.
Wirklich war es so. Jetzt fing die Fotografiererei wieder von vorne an.
Der strahlte erst als er auch auf das Foto kam und sich hinterher sehen konnte. Es war der kleinste mit der Kappe.
Da ich vorher ein kleine Geschäft gesehen hatte deutete ich den Buben sie möchten mitkommen
was sie anfangs gar nicht wollten.
Dann gingen sie doch mit und ich kaufte dort Zuckeln soviel jeder einstecken konnte.
Da war erst die Freude groß. Muss aber immer wieder betonen es wurde nie um etwas gebettelt sondern
sie nahmen es erst nach zögern an, aber doch mit großer Freude. Wir gingen dann weiter durch das Dorf,
in Begleitung der Kinder die jeden der uns begegnete scheinbar erzählten was sich alles ereignet hatte.
Die Dorfbewohner lächelten uns freundlich zu und wollten uns auch einladen.
So wurde uns das ganze peinlich, da wir kein Aufsehen wollten gingen zum Auto und fuhren unter ständigen
winken der Kinder schnellstens ab.
Wenn ich aber ehrlich bin war für uns das Erlebnis eines der schönsten und wir sprechen noch oft davon.