So, hier ist die Rätsellösung. Aber der Reihe nach.
Vorgestern hab ich mich in die U-Bahn gesetzt und bin zum Jungfernstieg gefahren, von dort geht in nordwestlicher Richtung der Ballindamm ab. Am Hapag-Lloyd-Gebäude vorbei und an der Straße Brandsende, die so heisst, weil da der große Stadtbrand von 1842 zu Ende war.
Aber dann ist auch der Ballindamm zu Ende - ich muss vorbeigelaufen sein. Und zum Glück muss ich nicht mehr ein Telefonhäusl aufsuchen und die Auskunft anrufen, damit ich die Nummer von Elke krieg - ich hab mein Telefon in der Tasche und Elkes Nummer eingespeichert. Und sie geht sogar ran und hilft mir von Oberbayern aus beim Suchen.
So guck ich über den Ballindamm aufs Rathaus,
rechts liegt die Binnenalster,
und irgendwo da vorn links das Haus mit der Bergmannskultor. Nur wo ?
Doch hoffentlich nicht hinter diesem Baugerüst ?
Nein, hier isses:
Elkes Bild oben ist natürlich besser - mein Zoom hat eine Macke, und dunkel wird's auch.
Jetzt die entscheidende Frage: Was haben die Kumpel mit Hamburg zu tun ? Die werden doch nicht in den drei Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sich die Mühe gemacht haben, für die paar Harburger Kohlen in Hamburg (wozu Harburg damals noch nicht gehörte) so einen Prachtbau hinzustellen ...
Das Haus hat die Nr. 17 und heisst Kirdorf-Haus.
Am nördlichen Ende ist ein Schiffsmaklerbüro oder sowas, ich geh da einfach mal rein. D.h. ich versuch's, die Tür ist zu, aber gleich kommt eine junge Frau im schwarzen Kostüm und drückt auf den Türöffner. Ich erkläre zunächst mal, kein Schiff kaufen zu wollen, was sie mir auch sofort abnimmt (ich glaub, die potentiellen Yachtkäufer treten anders auf) und frag, ob sie sich mit der Geschichte dieses Hauses auskennt. Tut sie leider nicht, so verabschiede ich mich höflich.
Hinter dem nächsten Eingang verbirgt sich ein Cafe, es sieht sehr teuer aus, und zwischen den Tischen steht ein nagelneuer Mercedes, so eine Art Coupe, jedenfalls einer, den ich mir auch dann nicht kaufen würde, wenn ich so viel Geld übrig hätte. Ein Blick in die Karte verrät mir, dass die Preise moderater sind als befürchtet, und so lang ich mich nicht in das Luxusauto hineinsetze (was erlaubt ist), spricht mich auch keiner der herumstehenden Krawattenmänner an - das Cafe ist nämlich eine Art Kontakthof für potentielle Wabenzi, so heissen in Ostafrika die Großkopferten, die sich mit diesen Schlitten oder ähnlichen herumfahren lassen.
Die freundliche Kellnerin will mir auch keinen Benz andrehen, sondern bringt mir den gewünschten Kaffee, und ich stell ihr die gleiche Frage. Sie weiss das auch nicht, aber sie schlägt mir vor, im Internet zu suchen, und sie würde das auch gleich mal machen. Gemeinsam bekommen wir heraus, dass das Kirdorf-Haus Anfang des 20. Jahrhunderts für das Rheinische Kohle-Syndikat errichtet wurde, um von dort den Schiffstransport der Ruhrkohle nach Hamburg und von dort in die Welt zu organisieren. Mehr dazu hier:
https://fredriks.de/Kuoehl/bueros.php?f=1
Benannt ist das Haus nach dem damaligen Generaldirektor Emil Kirdorf (1847-1938), Generaldirektor der Gelsenkirchener Bergwerks AG. Am Haus selber steht zu Kirdorf nichts, zumal sie sonst auch hätten erwähnen müssen, dass dieser Mensch später ein großer Förderer der Nazis war (das waren vermutlich viele der Großkopferten, die an der Binnenalster logierten). Bei Wikipedia fand ich hierzu u.a.:
ZitatIn seinem Tagebuch machte Joseph Goebbels unter dem 15. November 1936 die Eintragung: „Führer erzählt, wie er sich einmal erschießen wollte, weil ihm die Wechselschulden über den Kopf wuchsen. Da hat ihm Kirdorf mit 100.000 Mark geholfen.“
Schade eigentlich ...
Jedenfalls kam die Kohle für diesen Prachtbau nicht aus Harburg, weshalb die Kohlekumpelskulptur auch damit nix zu tun hat - das war es, was wir wissen wollten.