Vor kurzem habe ich euch ja bereits den unteren Abschnitts des Ostrachtals im Oberallgäu gezeigt. Angelika und ich sind im Oktober entlang des Flusses von Hindelang bis nach Hinterstein gewandert.
Vor noch nicht allzu langer Zeit war nicht nur ich als Einheimischer der Meinung, daß man im November nicht mehr in die Berge gehen kann. Scheinbar hat der Klimawandel hier auch bei mir ein Umdenken bewirkt. Tief verschneit, wie noch zu meinen Jugendjahren sind unsere Allgäuer Berge im November meist noch nicht. Da lag es nahe, daß wir die oben vorgestellte Wanderung um einen weiteren Streckenabschnitt ergänzten. Wir stellten unser Auto vor Hinterstein am Felsen (daher der Name „Hinterstein“) ab und folgten dem Fluß in Richtung Quelle. Die Inschrift würdigt den Bayerischen Prinzregenten Luitpold, der das Hintersteiner Tal über Jahrzehnte hinweg zur Jagd besuchte.
Im Gegensatz zu unserer Wanderung vom Oktober haben die Bäume mittlerweile ihr Laub abgeworfen.
Die Wiesen sind jedoch im Raum Hinterstein noch grün, die Berge leicht überzuckert.
An einem Feldstadel lehnen alte Hörnerschlitten, im Allgäu Schalenggen genannt. Früher hat man mit Hilfe dieser Gefährte Heu oder auch Rundholz im Winter ins Tal gebracht. Das war gefährlich, jedoch für viele Bauern eine notwendige zusätzliche Einkommensquelle. Heute gibt es Wagemutige, die beispielsweise in Pfronten im Rahmen eines Gaudirennens ihren Mut sich oder anderen beweisen.
https://www.youtube.com/watch?v=MYsaxeac9PI
Unser Weg führt uns abermals durch Hinterstein.
Am südlichen Ende des Ortes ist die geteerte Straße für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Um diese Jahreszeit verkehrt in stündlichen Intervallen ein Bus bis zum Giebelhaus. Die allermeiste Zeit läuft man deshalb auf dieser Teerstraße die immer im Ostrachtal entlang bis zum Giebelhaus, auf nur 1068 Metern Höhe gelegen führt. Das Giebelhaus ist im Sommer Ausgangspunkt für viele Wanderungen auf relativ hohe Allgäuer Berge.
Nach einer guten Stunde erreichen wir das bewirtschaftete Konstanzer Jägerhaus.
Die Ostrach zwängt sich nun unterhalb der Aussichtskanzel Eisenbreche durch eine enge Klamm. Die Flurnamen Eisenbreche oder Erzberghof erinnern an die Förderung von Eisenerz, welches hier im Mittelalter flußabwärts verhüttet und in Schmieden und Hammerwerken an der Ostrach weiterverarbeitet wurde. Hier ist es teilweise so eng, daß der Wasserspiegel bei der Schneeschmelze oder nach heftigen Gewittern um mehr als 10 Meter steigen kann.
Auch die Bäche der Seitentäler, die in die Ostrach münden, werden schon seit Jahrzehnten für die Stromerzeugung genutzt.
So harmlos sieht der Fluß oberhalb der Klamm aus.
Nach etwas mehr als zwei Stunden, nun liegt schon teilweise Schnee auf den angrenzenden Wiesen, haben wir die Hubertuskapelle erreicht.
Der Schnee hält sich noch nicht als geschlossene Decke und so finden die Krähen noch ausreichend Futter.
Nach insgesamt zweidreiviertel Stunden sind wir am Giebelhaus, benannt nach dem dahinter liegenden Berg angekommen. Die Enttäuschung ist groß, weil hier bereits um 14.00 Uhr schon der Schatten des Berges für merkliche Abkühlung sorgt und weil die Hütte entgegen der am Morgen noch durchgeführten Recherche im Internet nicht ganzjährig geöffnet ist.
Wie gut, daß wir in weiser Voraussicht eine Brotzeit, Bier und Schnaps dabei haben. Nun also schnell zurück bis zu einem sonnigen und warmen Rastplatz.
Noch ein sehnsüchtiger Blick mit dem Teleobjektiv auf den Hochvogel in die Ferne geworfen, den ich mir schon seit Jahren als Ziel ausgesucht habe. Leider ist er derzeit wegen akuter Felssturzgefahr von der Lechtalseite, man geht hier von Hinterhornbach aus auf den Gipfel, gesperrt. Da wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als einmal in aller Frühe mit dem Bus zum Giebelhaus zu fahren und mich von dort aus auf den Gipfel dieses markanten Allgäuer Berges (2593 Meter) zu machen. Mal sehen, was die Zeit bringt. Man (ich) werde ja auch nicht jünger.
Nun aber schnell zurück in die Sonne zur verdienten Brotzeit.
Nach etwa einer dreiviertel Stunde Weg hatten wir dann eine sonnige Bushaltestelle erreicht und den Inhalt des Rucksacks verputzt. Dann gönnten wir uns die etwa 20minütige Rückfahrt per Bus nach Hinterstein, von wo aus wir noch etwa eine halbe Stunde bis zu unserem Parkplatz zu laufen hatten.
Alles in allem war es eine gemütliche, allerdings etwas Ausdauer erfordernde Wanderung über etwa 300 Höhenmeter in der traumhaften Landschaft des Oberallgäus.
Jürgen