Neulich haben wir uns eine Wanderung auf die höchstgelegene Hütte der Allgäuer Alpen (2131 Meter) ausgesucht. Es handelt sich um die Hermann-von-Barth-Hütte in der sogenannten Hornbachkette. Die liegt östlich von Oberstdorf und westlich im oberen Lechtal.
Baron Hermann-von-Barth war seinerzeit ein total ausgepflippter Bergfan. Allein im Jahr 1870 bestieg der Mann ganz alleine 88 Gipfel, einige davon als erster. Leider endete sein noch junges Leben tragisch. Nach den Alpen zog es ihn in die portugiesische Kolonie Angola wo er sich das Leben nahm.
Nichtsdestotrotz hat der Düsseldorfer Alpenverein - ja, auch da gibt es Bergfans - seine Hütte nach ihm benannt.
httpss://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Barth
Wir stellten den Pkw in der Ortschaft Elbigenalp ab und machten uns auf den Weg zur 1100 Meter höher gelegenen Hütte.
Der Weg führt am Freilichttheater vorbei auf einem neu geschotterten Forstweg. Warum der mir eigentlich bekannte Forstweg nunmehr so gut ausgebaut und befestigt wurde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.
Rötliches Gestein am Wegrand hat man in diesem Teil der Alpen auch nicht alle Tage.
Nach wenigen Höhenmetern blicken wir zurück ins hier noch ursprüngliche Lechtal.
Dieses Hochtal müssen wir überwinden und dann links über den Bergrücken.
Es ist für mich immer wieder schön, wenn einem seltene Tiere über den Weg laufen oder wie in diesem Fall kriechen. Nach dem Foto mußte ich die Blindschleiche natürlich in die Hand nehmen. Wir beide haben uns gegenseitig betrachtet, schließlich ist eine Blindschleiche nicht blind sondern hat zwei Augen wie wir Menschen auch. Dann ging oder kroch jeder wieder seines Weges.
Nach einer guten Stunde Gehzeit endet der bequeme Fahrweg und geht in einen Pfad über. Nun sahen wir auch den Grund dafür, daß die Straße ausgebaut wurde. Die Kasermandl-Alm war abgerissen worden und um einen Kran und sonstige Ausrüstung für den Neubau einer „Alm“ oder sagen wir besser eines gehobenen gastronomischen Betriebes an dieser Stelle zu errichten, brauchte es eine neue tragfähige Straße. Schließlich muß da nun ein Betonmischer rauf genauso wie Lkw mit schweren und sperrigen Baustoffen. Im Sommer 2016 soll die sogenannte Alm öffnen obwohl zu unserer Zeit gerade mal die Fundamente geschalt und noch nicht betoniert waren. Warten wir ab wie schnell es geht. Das ist nun mal der Wandel der Zeit, ob es uns gefällt oder auch nicht. Ändern können wir es eh nicht. Kommerz beherrscht zunehmend die Alpen…
Diese Wand konnte nur dadurch überwunden werden, indem ein Stück Fels herausgebrochen wurde.
Eigentlich hätten wir auch an diesem Bergbach so wie eine andere Wanderergruppe baden sollen. Wir haben uns dieses Vorhaben für den Rückweg aufgespart. Dazu kam es jedoch nicht, weil das Wetter umschlug.
Beim Blick zurück sehen wir in der Ferne ein paar Hütten auf einer Almwiese.
Durchs Teleobjektiv betrachtet kommt der Aha-Effekt. Ehemalige Schutzhütten für die Bergbauern wurden ausgebaut und vermietet oder verkauft. Schließlich kommt man heutzutage mit einem modernen Geländewagen fast überall hin.
Die Söllner Rotwand mit 2262 Metern Höhe ist im Gegensatz zu den Bergen bei der Hermann-von-Barth-Hütte auch für uns „normale Bergwanderer“ geeignet.
Nach dreieinviertel Stunden Gehzeit einschließlich einer kleinen Brotzeit hatten wir es auch schon geschafft. Die Hütte liegt vor uns. Versorgt wird sie über eine Materialseilbahn. Strom gibt’s vom Diesel-Aggregat, welches ebenso wie das Wasserwerk etwas abseits liegt. Im Hintergrund sehen wir die beiden Ilfenspitzen mit gut über 2500 Metern Höhe.
In der Mitte die Plattenspitze (2489 Meter) und rechts die Wolfebnerspitzen (2432 Meter). All diese Berge sind nichts für mich. Die Hütte ist Ausgangspunkt für Klettertouren auf diesen Bergen.
Der Blick nach Osten. Ganz unten befindet sich das Lechtal.
Schimpft mich bitte nicht. Die Auswahl der Speisen ist auf der Hütte sehr stark eingeschränkt. Aber am selben Tag wurde mit der Seilbahn frisch gebackener Kuchen nach oben gefahren. Was lag da näher als diesen zum Weißbier zu testen?
Als dann plötzlich Wind aufkam und ein paar Regentropfen uns den Aufenthalt im Freien unangenehm erscheinen ließen, haben wir die Rast in der Hütte fortgesetzt. Außer unserem war an diesem Sonntag nur ein Tisch besetzt.
Diesen Blick aus dem Fenster vom Sanitärbereich wollte ich euch nicht vorenthalten.
Auf dieser Höhe kann man keine Alpwirtschaft mit Kühen oder Jungvieh mehr betreiben. Das wenige und spärliche Gras reicht nicht aus. Hingegen ist es genug für 18 Schafe, die im Frühsommer nach oben getrieben werden. Im September beim Abtrieb sind es meist ein paar weniger, weil auch ein Schaf hier im Gelände ein gefährliches Leben führt.
Wie eingangs schon erwähnt, hatten wir für einen Teil des Rückweges teilweise etwas Regen. Damit entfiel die Dusche unter dem Wasserfall oder das Bad im Bach.
Unterhalb des Kasermandl wurde in der Zwischenzeit ein Herde Jungvieh von Elbigenalp aus aufgetrieben. Wie uns der Hirte erzählte, bleibt das Vieh nur einen Tag und eine Nacht hier, dann geht’s weiter, weil die Wiese abgegrast ist.
Nur zum Größenvergleich habe ich meine Stöcke auf diesen Pilz gelegt. Ob er essbar ist, kann ich euch nicht sagen.
Das war er auch schon, mein Ausflug ins obere Lechtal auf eine Hütte, die normalerweise kaum von Bergwanderern besucht wird. Ich hoffe, er hat euch gefallen.
Jürgen