Bisher ist der Winter 2015 / 2016 ja kein Winter. Strahlender Sonnenschein und relative Wärme lockten uns am 27.12. dieses Jahres in die Berge. Wie bereits zwei Wochen zuvor steuerten wir erneut das Tannheimer Tal an. So genau wussten wir noch nicht, welchen Berg wir besteigen wollten. In Frage kämen der Schartschrofen (1973 Meter) oder die relativ unbekannte Läuferspitze (1956 Meter) die selbst ich noch nicht kannte. Warum dieser Berg kaum begangen wird, werdet ihr später erfahren.
Das Auto haben wir am Parkplatz der Kabinenbahn zum Füssener Jöchle abgestellt und schon ging es los. Im Hintergrund könnt ihr bereits die Läuferspitze sehen, die wir etwa zweieinhalb Stunden später erreicht haben.
Skifahren macht hier auf diesem kurzen künstlich beschneiten Stück sicherlich keinen großen Spaß. Wir haben die steinharte Eispiste auf unserem Weg überquert.
Nur wenige hundert Meter dieser schmalen Piste waren durch Kunstschnee befahrbar.
Kurz vor dem Berggasthof Adlerhorst. Unten links der zugefrorene Haldensee.
Rechts die Rote Flüh, links der Gimpel, beide knapp 2200 Meter hoch und auf der Südseite völlig schneefrei.
Hier noch mal die beiden, links davon der Schartschrofen.
Dieser unscheinbare Gipfel ist die Läuferspitze.
Unterhalb des Berges verläuft ein relativ komfortabler Weg vom Adlerhorst bis zur Sonnenalm auf 1818 Meter Höhe gelegen. Da wir diese Alm erst am Rückweg passieren wollten, mußten wir nun auf teilweise schneebedeckten Steigen weitergehen.
Als wir den Gipfel so imposant vor uns sahen, entschlossen wir uns, an diesem Tag die vermeintlich einfache Läuferspitze zu erklimmen. Sicherlich war auf der Wanderkarte kein Weg dort hinauf eingezeichnet, aber was bedeutet das schon?
Am Sattel angekommen ging es also nicht nach rechts in Richtung Schartschrofen sondern nach links zur Läuferspitze.
Selbst auf der Nordseite von Köllen- und Gehrenspitze fast kein Schnee – und das Ende Dezember!
Auch die Schlicke nördlich davon schneefrei. Schnee liegt eigentlich nur dort, wo länger Schatten vorherrscht.
Da wollen wir hin. Den Trampelpfad durch den Schnee finden wir leicht.
Nun ist mir klar, warum hier kein Wanderweg eingezeichnet ist. Blanker senkrecht stehender Fels mit einer Kette. Damit muß man nun irgendwie zurecht kommen. Hier sind die klobigen Bergschuhe nicht gerade von Vorteil. Wenigstens liegt hier kein Schnee.
Also lasse ich höflich einen jüngeren vor und beobachte genau, wo er in der Wand seinen Tritt findet.
Dank meiner langen Beine habe ich es hier vielleicht etwas leichter als klein gewachsene Bergfreunde. Unfallfrei bin ich jedenfalls bis ganz nach oben gekommen. Mal sehen, wie der Abstieg auf der anderen Seite klappt.
Der in den Karten nicht verzeichnete Weg soll vermutlich "normale Wanderer" davon abhalten, hier hinaufzusteigen. Für die meisten Wanderer wäre hier Schluß und für einen Kletterer ist das bischen Felswand nicht den weiten Weg wert. Der versucht sich da lieber an den benachbarten Bergen, wo es auch den Friedberger Klettersteig gibt. Vor ewigen Zeiten bin ich den auch schon mal gegangen.
Etwa 200 Meter unter uns befindet sich die Sonnenalm. Es ist schon erstaunlich, wie man die Musik und das Geschrei der Gäste bis nach oben zum Gipfel hört. Die Sonnenalm ist durch eine Kabinenbahn mit Grän verbunden. Bergfreunde anderer Art können somit bequem nach oben gelangen und hier bei ein paar Halben Bier oder Jagertee oder was auch immer chillen, wie man es neudeutsch nennt. Die übliche Bierzelt- und Halligalli-Musik wurde hier den Gästen von einer Life-Band kredenzt. Wem es gefällt? Ob diese Besucher allerdings die Umsatzausfälle aufgrund der milden Witterung gerade in der Zeit zwischen Weihnachten und Sylvester ausgleichen, glaube ich eher nicht.
Blick ins Ostallgäu mit Hopfensee, Forggensee und ganz rechts sieht man noch ein Stück vom Bannwaldsee.
Das Brentenjoch (exakt 2000 Meter hoch) mit Nebengipfeln.
Das Tannheimer Tal – ganz rechts der Einstein, welchen ich zwei Wochen zuvor bestiegen habe.
Wer wissen will, wie es dort aussieht, dem habe ich hier den link zu dieser ebenfalls winterlichen Tour.
https://www.schoener-reisen.at/forum/showthre…hlight=Einstein
Hier geht’s nach einer ausgiebigen Brotzeit am Gipfel wieder runter. Im Gegensatz zur Südseite liegt hier Schnee, der mehr aus Eis als aus Schnee besteht. Vermutlich taute die weiße Pracht wiederholt tagsüber an und gefror dann nachts. Wie gut, daß hier ein Stahlseil zusätzlichen Halt gewährt.
Dort oben waren wir.
Jetzt ist der Weg nicht mehr sonderlich anspruchsvoll. Von der Sonnenalm geht es über die Skipiste und einen Versorgungsweg runter ins Tal. Diese Hütte hat uns dazu eingeladen, eine weitere Brotzeit und den Rest des Gipfelschnapses zu vertilgen.
Vor einigen Jahren wurde bis rauf zur Alm auf der Länge von etwa drei Kilometern die Infrastruktur für eine Beschneiungsanlage gelegt. Dutzende dieser Andockstationen für Schneekanonen wurden entlang der Piste hierzu vergraben. Ob sich diese Investition jemals lohnen wird, wage ich zu bezweifeln.
Ziemlich erschöpft kommen wir am späten Nachmittag am Parkplatz an. Eine Schwierigkeit beim Abstieg waren noch die von den Schneekanonen aufgehäuften Eisberge, die den Weg versperrten. Auch hier war mehr Eis als Schnee vorhanden, so daß die Überwindung dieser etwa zwei bis drei Meter hohen und ca. sechs Meter breiten Schneehäufen einer Rutschpartie glich.
Jürgen