Es gibt in Deutschland zwei Auswanderermuseen, eines in Bremerhaven , das andere in Hamburg.
Ich habe mir im letzten Sommer einen Tag Zeit genommen und habe das Museum Ballinstadt in Hamburg besucht.
Das Museum ist gut gemacht und hat mich vor allem vor dem Hintergrund unserer derzeitigen Situation in Europa ziemlich beeindruckt.
Die Gebäude sind keine Originale, wurden jedoch im Stil der ursprünglichen Gebäude von Ballinstadt aufgebaut.
Hamburg war der wichtigste Anlaufpunkt für Auswanderer aus Deutschland, vor allem aber auch aus Osteuropa.
So wie heute waren auch früher politische oder religiöse Verfolgung, Krieg, Armut und Hunger Gründe dafür, dass Menschen ihre Heimat verließen.
Mitte des 19. Jahrhundert setzte in Hamburg ein großer Zustrom an Auswanderwilligen ein. Sie kamen nach Hamburg , in der Hoffnung, eine der Schiffspassagen nach Amerika zu bekommen.
Eine Reihe von geschäftstüchtigen Schiffseignern und Reedern transportierten die Menschen zunächst in den Frachträumen der Frachtschiffe, die auf der Rückreise dann für Waren benützt wurden.
Fensterlose Zwischendecks wurden eingebaut , die Überfahrt war für die Verzweifelten mit Sicherheit eine Qual.
Schlechte Durchlüftung, Platzmangel, Nässe und die Folgen der Seekrankheit machen den Menschen zu schaffen. An Deck durften sie nur begrenzt, bei Sturm gar nicht.
Aus dem Verkauf von Schiffspassagen wurde ein lukratives Geschäftsmodell.
Auch der junge Kaufmann Albert Ballin leitete eine Agentur, die erfolgreich Schiffspassagen vermittelte.
So erfolgreich , dass er von der HAPAG eingestellt und letztlich zum Generaldirektor bestellt wurde.
Hamburg war überfüllt mit Emigranten und Flüchtlingen. Die Wohnverhältnisse in der engen Altstadt waren katastrophal, die sanitären Bedingungen ebenso.
1894 brach eine Choleraepidemie aus und das Geschäft mit den Schiffspassagen brach ein.
Die Hamburger wollten die Emigranten, vor allem die aus Osteuropa, nicht mehr in der Stadt haben.
Zudem waren die Einreisebestimmungen in Amerika sehr streng. Wer Anzeichen einer Krankheit erkennen ließ, wurde wieder nach Europa zurückgeschickt. Natürlich auf Kosten der Schiffsgesellschaft, bzw, der Reederei.
Albert Ballin fand eine Lösung, die einerseits den Ausreisewilligen half, andererseits sein Geschäft mit Schiffspassagen wieder blühen ließ.
Ab 1901 ließ er mehrere Auswandererhallen auf der Elbinsel Veddel bauen.
Bis 1907 wurde das Gelände ständig erweitert. Es entstand eine "Stadt in der Stadt". In insgesamt 30 Gebäuden konnten bis zu 5.000 Personen unterkommen.
Die Versorgung und die medizinische Betreuung in Ballinstadt waren vorbildlich. Eingeschifft wurde nur ,wer den abschließenden Gesundheitstest bestanden hatte.
Schiffskabinen
Zweite Klasse
Dritte Klasse
Ein anderer lukrativer Geschäftszweig der Reederei HAPAG unter Alfred Ballin:
s. auch hier
D 1718 HAMBURG > Albert Ballin > Erfinder der modernen Kreuzfahrt
Ich gehe davon aus, dass nur wohlhabende Emigranten oder Kreuzfahrreisende sich solchen Luxus leisten konnten
HEUTE:
Das Erlebnismuseum "Ballinstadt"
steht auf dem historischen Ort der Auswandererhallen.
Zitat:
aus
https://www.ndr.de/kultur/geschic…hamburg101.html
192 733 Auswanderer begeben sich 1913 von Hamburg aus auf die Reise - mehr als je zuvor.
Nur wenige Monate später stoppt der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Auswanderung.
Mitte der 1920er-Jahre wird aus den Auswandererhallen das "Überseeheim". Gehobener Komfort soll die höheren Ansprüche der nun zumeist deutschen Emigranten erfüllen.
1934 fällt ein Teil der Hallen in den Besitz der SS, später wird das gesamte Gelände als Kriegsgefangenenlager genutzt.
Nach dem Krieg dienen die Gebäude als Unterkünfte für ausgebombte Hamburger.
1962 werden die Gebäude abgerissen, einzig der Pavillon Nr. 13/14 bleibt stehen.
Hier hat über viele Jahre ein Autohof seine Filiale.
Mit Beginn der 1980er-Jahre zieht ein portugiesisches Restaurant in die Halle ein. Fast 100 Jahre nach dem Bau der Auswandererhallen wird 2005 der Grundstein für das Erlebnismuseum Ballinstadtgelegt.
Im letzten Ausstellungsraum fand ich ein Zitat, das auch noch heute für das Zusammenleben ( nicht nur mit unseren Flüchtlingen) zum Nachdenken anregt.
Gruß,
Elke