Danke , waldi !
"Böse Bauten" ist ein recht provozierender Titel einer ganzen Reihe von Beiträgen über Bauten aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Können Bauten , kann Architektur böse sein ? Es sind auf jeden Fall sehenswerte Beiträge in dieser Sendereihe,
Wenn ich den von Dir in #22 verlinkten Beitrag über Prora ab Minute 18 anschaue, so kommt es mir stellenweise vor wie Werbung für einen Luxusurlaub. Zweifellos kann man in Prora in diesen Ferienwohnungen wunderbar Urlaub machen.
Nichts erinnert an die Geschichte. Nur die nach wie vor monumentale. mehr als 4km lange Häuserfront wirft die Frage auf, wie und warum so etwas gebaut wurde. Aber welcher Urlauber tut das?
Je mehr ich mich mit diesen Fragen beschäftige, desto unsicherer werde ich .
Ist Prora ein Denkmal?
Umbauen, nutzen oder originalgetreu als Zeugnis einer menschenverachtenden Ideologie erhalten?
Das betrifft ja nicht nur Prora, sondern viele Monumentalbauten aus dar NS Zeit in D und in A ( z.B. Linz)
h ttps://de.wikipedia.org/wiki/Architektur_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus
Die ersten Diskussionen darüber fand ich in einem Beitrag des Spiegel von 1989.
Da dieses geschichtliche Thema hier in unserem Reiseforum vermutlich zu speziell ist, möchte ich für Interessierte nur ein paar Links zu unterschiedlichen Meinungen einfügen.
Das war 50 Jahre "danach".
22.01.1989, 13.00 Uhr • aus DER SPIEGEL 4/1989
https://www.spiegel.de/politik/die-en…00-000013495408
Zitat:
"Abriß oder Denkmalschutz?
Erstmals erschienen auch umfangreiche Untersuchungen über frühe Aktivitäten von Naziarchitekten in der Bundesrepublik. Resümee: Auch die Bauzunft hat ihre Globkes."
Von Karl Heinz Krüger
Das war 80 Jahre "danach"
21.8.21 3 Sat
https://www.3sat.de/kultur/kulturd…-stein-100.html
Zitate:
"Sollen Bauten der NS-Zeit originalgetreu konserviert werden als seien sie "neutrales" Kulturgut? Oder wird die Nazi-Propaganda dadurch fortgesetzt? Strahlen die Bauten heute noch die menschenverachtende Ideologie aus? Und wenn ja, reicht eine Hinweistafel aus, um die Wirkkraft zu brechen?"
"Die anstehenden Sanierungen vieler Nazi-Bauten haben die Debatte um den Umgang mit Denkmälern aus der NS-Zeit neu entfacht. Die Orte erweisen sich als Herausforderung und Chance zugleich - für das Erinnern in einer Zukunft ohne Zeitzeug*innenschaft."
"Nimmt Profanisierung den Schrecken?"
"Ob in Berlin, Nürnberg, Düsseldorf oder München: Bei den NS-Repräsentationsbauten und Denkmälern stellt sich immer auch die Frage: Wie können wir diese Orte nutzen? Zum Feierabendbier, Inlineskaten und Drachensteigen wie auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände? Nimmt Profanisierung den Schrecken und die Ehrfurcht? Oder führt sie zu Geschichtsvergessenheit? Welche Bedeutung haben die Bauten für nachfolgende Generationen? Können sie als „begehbare Lernorte“ Geschichte besser erfahrbar machen als die Lektüre eines Geschichtsbuches oder das Surfen im Netz? Die Generation der Zeitzeug*innen verstirbt allmählich, doch was bleiben wird, sind die Orte. Und die Frage nach dem Umgang damit. "
"Was also tun mit dem Nazi-Erbe?"
Alle die Diskussionen gehen um das Erbe der Nazizeit.
Prora war nie fertig, es war war nie "Seebad der 20 000".
Aber was geschah nach dem Krieg, zu DDR Zeiten mit der Bauruine?
Der Historiker
(Zitat aus Wikipedia )
"Stefan Stadtherr Wolter (* 24. Oktober 1967 in Eisenach als Stefan Wolter) ist ein deutscher Historiker und Autor. Er arbeitet zu den Themen Medizin-, Tourismus- und Militärgeschichte"
Sohn des Pfarrers Jürgen Wolter und dessen Frau Brigitte
In der Abiturstufe widersetzte sich Wolter der vormilitärischen Ausbildung, nachdem er sich bereits der Mitgliedschaft bei den Pionieren und der Freien Deutschen Jugend (FDJ) verweigert hatte.
Nach der Militärzeit als Bausoldat in Prora (1986–1988)"
Er setzt sich heute sehr dafür ein, dass neben der Erinnerung an die Nazizeit auch diese Zeit, und vor allem die Menschen, die diese Zeit in Prora verbringen mussten , nicht vergessen werden dürfen..
Es gibt von ihm eine ( ältere ) Website
aber vor allem eine aktuelle Website
mit einer Sammlung von sehr vielen historischen Bildern und Dokumenten
Lesenswert z.B. ein Artikel Zeitzeugen : Aus dem Leben der Bausoldaten ( Hafen Mukran)
Ich möchte dieses Thema und die Diskussion hier in diesem Reiseforum nicht weiterverfolgen.
Aber ich hoffe, dass ich noch einmal nach Prora komme und das neu geplante Dokumentations- und Bildungszentrum in Block V genau anschauen kann.
(Es gibt halt manchmal Themen, die lassen einen nicht los )
2026 soll es fertig sein.

Aber vielleicht macht jemand mal Urlaub in Prora und schaut sich das selbst an?
Elke