Sassnitz ist eine Kleinstadt mit knapp 10 000 Einwohnern auf der Halbinsel Jasmund an der Ostküste der Insel Rügen.
Heute ist sie vor allem bekannt als Ausgangsort für den Besuch der Kreidefelsen.
In Sassnitz beginnt der traumhaft schöne Hochuferweg durch die Buchenwälder an der Kreideküste bis zum Nationalparkzentrum Königsstuhl.
Ich bin ihn schon öfter gegangen, letztmals im Oktober 2019 .
Auf dem Hochuferweg an der Kreideküste
Sassnitz hat eine sehr wechselhafte jüngere Geschichte.
Im 19 . Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem beliebten Badeort mit einer Strandpromenade und zahlreichen Gebäuden mit markanter Bäderarchitektur.
Mitte des 19, Jahrhunderts wurde der Ort sogar an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Parallel dazu wurde der Fährhafen immer wichtiger mit Schiffsverbindungen nach Stettin, Trelleborg und Memel.
Der Fischfang wurde bedeutende Einnahmequelle, Am Hafen und in der Fischverarbeitung entstanden viele Arbeitsplätze. Mit der Industrialisierung der Stadt wurden aus Sommerpensionen und Hotels Ganzjahreswohnhäuser.
Die Sommergäste blieben aus und bevorzugten die Orte Binz, Göhren, Sellin mit den breiten , langen Sandstränden.
Nach dem 2. Weltkrieg, zu DDR Zeiten, wurde die Fischverarbeitung immer bedeutender. Ein großes Fischkombinat entstand, mit mit ca 200 hochseefähigen Fischtrawlern.
Die Villen und Pensionen aus dem 19. Jahrhundert wurden nicht mehr gepflegt . Die Altstadt von Sassnitz verfiel.
Es war dafür schlichtweg kein Geld vorhanden,
Der Fahrhafen wurde zu eng für die zunehmend größer werdenden Fähren nach Dänemark, Schweden und Russland.
1986 wurde ca 5km von Sassnitz entfernt der neue Fährhafen Mukran in Betrieb genommen.
Die Fährverbindung Mukran - Klaipeda (Republik Litauen) bedeutete eine große Veränderung in der Struktur der Stadt Sassnitz. Der Ausbau der gewaltigen Anlagen des Fährhafens Sassnitz mit seinen Breit- und Regelspurgleisen, Fähren sowie RO-RO-Schiffen nach Klaipeda und Rönne ist auch heute noch nicht beendet.
https://www.mukran-port.de/leistungen/sea-port.html
Mukran ist ein Tiefwasserhafen mit einer Wassertiefe von bis zu 10,5 m und bietet nautisch und seegeografisch ideale Bedingungen, um als Basishafen für die Offshore-Windindustrie zu dienen.
Heute spielen u.a. Wartung- und Betrieb von Offshore-Windparks für den Hafen Mukran eine wichtige Rolle,
https://www.mukran-port.de/leistungen/offshore.html
Das bis 1990 vernachlässigte Sassnitz wurde 1991 in das Städtebauförderprogramm des Landes Mecklenburg Vorpommern aufgenommen.
Ich komme schon seit einigen Jahren immer wieder nach Sassnitz und kann beobachten, wie sich die Stadt positiv entwickelt , saniert wird und auch für den Fremdenverkehr wieder attraktiv wird.
Vor allem der Stadthafen mit seinen Gaststätten und Läden wird von Touristen gern besucht.
Die Altstadt von Sassnitz liegt ca 25 m oberhalb der Küste an einer geologisch schwierigen Abbruchkante.
Die Stadt mit dem Hafengebiet zu verbinden war eine Herausforderung.
Das Problem wurde für Fußgänger und Radfahrer hervorragend gelöst.
Am 25. Juli 2007 wurde eine nur an einem Masten aufgehängte Hängebrücke vom Rügen-Platz hinunter zum Stadthafen eröffnet.
Ein elegantes , technisches und architektonisches Meisterwerk!
Zitat aus
https://momentum-magazin.de/de/die-stadthafenbruecke-sassnitz/
Prof. Mike Schlaich, zusammen mit Andreas Keil für Entwurf und Engineering verantwortlich, beschreibt es so: „Die Brücke ist ein schönes Beispiel für einen aus den gegebenen Randbedingungen entwickelten Entwurf. Ein Wahrzeichen sollte entstehen, große Höhenunterschiede barrierefrei überwunden werden und das ostdeutsche Sassnitz mit dem ehemaligen Transithafen verbunden werden. Entstanden ist eine verbindende und versöhnende Geste, eine leichte Hängebrücke mit Kreisringträger als Balkon zum Meer für alle.“
Von der Brücke aus hat man einen hervorragenden Blick aufs Meer, auf das Hafengelände und den Hafen
Die Brücke ist barrierefrei und sehr bequem zu begehen.
In der Mitte gibt es einen Abstieg mit einer Treppe, man kann aber auch hindernisfrei bis zum Ende hinuntergehen.
Am Ende kommt man zum alten Fährhafen, dessen Gebäude heute noch keine endgültige Weiterverwendung haben .
Fähren haben dort schon lange nicht mehr an- und abgelegt.
Dafür muss man nach Mukran fahren .
(Mukran - Trelleborg ist heute eine überlegenswerte Alternative für eine Reise nach Schweden.
Oder nach Russland....)
Bilder eines Spaziergang entlang des Stadthafens.
Noch immer liegen im Hafen Fischtrawler. Aber wie lange noch ?
Es werden vor allem Dorsch und Heringe gefischt.
Die EU Fischereiminister haben 2019 die Fangquoten für Dorsch und Hering massiv gesenkt.
Bei Dorsch un 60 Prozent.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/fangquoten-105.html
Viele Fischer fürchten um ihre Existenz.
Fischbrötchen direkt am Hafen :
Das MUSS einfach sein
Sassnitz ist kein mondäner Ort.
Aber man bemüht sich , den Ort wieder "wohnenswert" zu machen und lebenswert auch für junge Menschen,
Die Fischerei wird kaum mehr ausreichend Arbeitsplätze bieten.
Aber vielleicht der Ausbau des modernen Hafens Mukran mit der Offshoretechnologie ? Vielleicht gibt es dort Chancen für einige junge Leute, so dass sie auf der Insel bleiben?
Es gibt keinen nennenswert schönen Badestrand in Sassnitz , aber dafür die unglaublich schöne Kreideküste . wo man von Sassnitz aus auch unten entlangwandern kann auf der Suche nach Hühnergöttern, Feuersteinen und Bernstein, sowie oben durch den einmalig schönen Buchenwald ( UNESCO Naturerbe)
Gruß,
Elke